Dominik Großefeld St. Pauli und seine Eckkneipen.

Silbersack bei NachtSt. Pauli steht für Rotlicht – aber vor allem auch für seine Kneipen. In dieser Tradition öffnet noch heute eine im Jahr 1949 von Erna und Friedrich Thomsen gegründete Kultkneipe täglich um 15 Uhr ihre Pforten.

Die Gaststätte in der Silbersackstraße zählte auch Prominente wie Heinz Rühmann, Curd Jürgens, Hans Albers, Freddy Quinn und Hildegard Knef zu ihren Gästen.

Erna Thomsen, geboren am 16. April 1924, starb am 9. Mai 2012 im Alter von 88 Jahren an Herzversagen. Daraufhin wurde die Kneipe geschlossen, da Ernas Kinder die Kult-Kneipe nicht weiterführen wollten.
Stammgäste, Anwohner, die Interessengemeinschaft St. Pauli, der St. Pauli Bürgerverein von 1843 und sogar das Bezirksamt Hamburg Mitte und eine Facebook-Initiative mit bald mehr als 1.300 Mitgliedern setzten sich für einen Erhalt ein. Durch Vermittlung des ehemaligen Bezirksamtsleiters Andy Grote wurde die Kneipen-Immobilie mit dazugehörigem Wohngebäude an die Freunde der Kneipe verkauft. Diese Gesellschaft ist von 20 Hamburger Immobilien-Kaufleuten gegründete worden.

Diese Gesellschaft ist von 20 Hamburger Immobilien-Kaufleuten gegründete worden.
Der Kneipe wurde neu verpachtet. Pächter ist der Dortmunder Dominik Großefeld, der 2010 als Mitarbeiter in der Kneipe begann und als Ziehsohn der verstorbenen Wirtin gilt. Auch er ist ein Freund klarer Worte wie man bei der Kampagne „Reeperbahn – echt ehrlich“ hören kann.

Die wunderbare – sehr st. paulianische – Rettung zeigt die Wichtigkeit der sog „Eckkneipen“ für das Viertel. Als Orte der Zusammenkunft, des Austausches, der Nachbarschaft und des sozialen Miteinanders können wir zum Glück noch an vielen „Ecken“ einkehren.

Die Kneipe in ihrer gesellschaftlichen Rolle.
Sparvereine, auch Sparclubs, sind ein Teil der Vereinskultur im deutschsprachigen Umfeld und kamen Mitte des 19. Jahrhunderts auf. Neben dem Anliegen des gemeinsamen Sparens spielte die gemeinsame Geselligkeit eine Rolle.
Für die Familien von Tagelöhnern wie Seeleute und Hafenarbeiter übernahmen die Sparvereine eine sehr wichtige soziale Aufgabe. Bei Erna bekam niemand ein alkoholisches Getränk, der nicht vorher vorgesorgt (gespart) hatte. Der Film „Manche hatten Krokodile“ von Christian Hornung ist eine großartige Dokumentation dieser Sparclubs auf St. Pauli und damit eine selten liebevolle Hommage an eben diesen Ort.

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