Reeperbahn Festival – der Freitag

Das Team von Reeperbahn.de war am Freitag schon früh unterwegs. Um 12:00 Uhr fand im St. Pauli Museum (Hamburg Haus) eine Diskussion der IG St. Pauli und dem BID Reeperbahn+ zum Thema: „Das Herz von St. Pauli – Wie wichtig ist der Ort für die Musik (-wirtschaft)?“ statt. Mit Musikern als Gästen wurde ein Forderungskatalog für den Stadtteil aufgestellt, damit auch zukünftig junge Musiker auf St. Pauli Proberäume und Auftrittsmöglichkeiten finden.

Am Nachmittag besuchen wir den Singer/Songwriter Xavi im N-Joy Reeperbus auf dem Spielbudenplatz. Die Technik streikte war, trotzdem überzeugte Xavi mit seiner Wahnsinns-Stimme und tollen Melodien. In der Spielbude gaben PEREZ ein Konzert. Mit indielektronischen Rap heizten die Stuttgarter die Menge ein. Ein hefiges Erlebnis.

Ein Kollege wollte unbedingt die Band „whenyoung“ auf der Fritz-Kola-Bühne sehen, wahrscheinlich hatte es ihm die Frontsängerin Aofi Power angetan. Scherz. Spannend war das intellektuelle Potpurri im Song „Heaven on Earth“, das sich mit Dantes Höllenkreisen beschäftigt. Dass genau zu diesem Zeitpunkt auch schwarze Wolken am Himmel auftauchten und ein heftiger Wind ging, machte den Auftritt umso eindrucksvoller. Im angrenzenden Kunstgarten stand ein digitaler Beichtstuhl der Künstler Luca Candotti, Malte Tröger und Norman Heck. Wir taten Abbitte.

Im Nochtspeicher dann ein Anwärter auf den Anchor Award, die Band Hope. Düstere Klänge, wummernde Riffs, die so wunderschön arrangiert sind, das die feine irgendwie immer französisch klingende Stimme von Christine Börsch nur das Sahnehäubchen ist. Die Lieder erinnern an Tangerine Dream allerdings mit mehr Breaks, so dass die Songs immer wieder neu Fahrt aufnehmen. Inspirierend und betörend. Es gab nach jedem Stück Standing Ovations. So was haben wir selten gesehen.

Weiter ging es dann in Richtung St. Pauli Kirche. Rockmusik und Kirche? Passen definitiv zusammen! Die Kirche, in der zur Zeit auch eine Foto-Ausstellung zum Elbschlosskeller ausgestellt wird, ist schon lange Festival-Location und hatte am Freitagabend die isländische Band Hugar gehosted. Die beiden Bandmitglieder stimmten in der Kirche mit dunklen Klängen ihre eher düstere Performance an. Das Duo macht eine Art Kammer-Pop, ihre Melodien arrangieren sie mit Streichern, Klavier und Percussion. Die effektvoll ausgestrahlte Kirche sorgte natürlich für ein strahlendes Ambiente

Ein bisschen lauter ging es auf dem Spielbudenplatz zu – hier gab sich Nugat die Ehre. Seine ersten beiden EP’s waren reine Instrumentals, jetzt startet der 20-jährige auch als Singer/Songwriter durch. Mit Synthesizern, Schlagzeug und Keyboard begleitete er seinen Auftritt selbst. Wärenddessen harrten die Kollegen schon im Nochspeicher aus, denn diesesmal wollen sie nicht vor dem Club stehen, sondern vorne an der Bühne. Denn das Duo „The Courettes“ gehen immer auch Tuchfühlung mit den Besuchern. Das Latino-Dänische-Duo bestehend aus Flavia (Gitarre) und Martin (Drums) hauten wieder alle weg. Speeddrumming mit harten Riffs. Zu recht schrie Martin ins Publikum: „Wer traut sich diese Gitarre zu spielen?“ Natürlich meldet sich keiner. „Ja ihr verliert alle gegen diese Frau.“ Stimmt, aber wir waren sowieso schon schon stehend k.o. nach diesem tollen Tag.

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