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I’ll be back
Phantom 2 gastiert im Operettenhaus

Am Ende des “Phantom der Oper” blieb alles offen. Wohin verschwand das Phantom? Gab es eine Liebesnacht mit der Sängerin Christine? Fragen über Fragen. Nun also der zweite Teil des erfolgreichsten Musicals der Welt. Magische sieben Jahre sind seit den Ereignissen von Paris vergangen. Christine ist ein gefeierter Star, hat einen talentierten Sohn und einem dem Trunke ergebenen Ehemann. Sie wird zu einem Gastspiel nach Corny Island in die Vereinigten Staaten eingeladen. Und schon als die gespenstische Kutsche die Familie vom Boot abholt ist jedem Zuschauer klar, wer da seine Fäden spinnt – natürlich das Phantom. Getarnt mit dem Pseudonym „Mr. Y“ unterhält es mittlerweile eine Art Vergnügungspark mit Freakshow. Dort versucht eine blonde Schönheit namens Meg das Phantom mittels einer flippigen Burlesque Show von ihrem Bühnentalent zu überzeugen. Doch dieser hat nur Interesse an seiner alten Liebe und deren Sohn, der ungeahnte musikalische Fähigkeiten aufweist.
Also viele Konfliktpotentiale, die es gilt aufzulösen.

Um es gleich vorweg zu nehmen – das Musical ist gelungen, trotz der technischen Panne bei der Deutschland Premiere. Das Setting ist opulent und durch die Drehbühne sind permanente Perspektivwechsel möglich. Am eindrucksvollsten ist der “Phantasma Vergnügungspark”, der auch ein Spiegelbild der Seele des Phantoms darstellt. Kleinwüchsige Darsteller, Muskelprotze und groteske Clowns zelebrieren ein Zerrbild der feinen Opernwelt. Alles ist verruchter, wilder und erotischer.
Beindruckend vor allem die Szene, in dem das Phantom Christines Sohn Gustav sein dunkles Reich zeigt. Ein Clive Barker würde sich an seine legendäre Cabal-Verfilmung erinnert fühlen.
Stark sind auch die Duette zwischen Rachel Ann Moore (Knoxville Opera) und Gardar Thor Cortes, dem weltweit gefeierten Tenor, die durch die inszenierte Atmosphäre alter Dracula-Filme unterstützt werden. Mal erscheint der Maskenmann im Spiegel, mal schwebt er durch die Balkontür herein. Mit den stilsicheren Bewegungen eines Bela Lugosi gibt Cortez dem schwarzen Ritter eine Intensität, die zwischen Bedrohung und Verletzlichkeit schwankt.

Musikalisch ist das Musical ebenfalls ein Genuss, lediglich die deutsche Sprachmelodie macht es manchmal schwierig den Text der Harmonie anzupassen. Doch das sind Feinheiten, denn die sicheren Hits wie „Liebe stirbt nie“ und „In rabenschwarzer Nacht“ sind imposante Gesangsereignisse des Altmeister Andrew Lloyd Webber.
Ohne zu viel zu verraten, der Schluss von Phantom 2 hat die Dramatik eines alten Filmes mit Schmerz, Tod und Erlösung.
Kein Wunder war das Publikum begeistert und die Standing Ovations wollten nicht enden. Gerne hätte man noch erlebt wie auch die dunkle Parallelwelt zu Grunde geht, aber das funktioniert eben nur im Kino. Die Entscheidung mit einem intimen Moment zu enden, statt mit einem Feuerwerk war genau richtig. Emotionen auf den Punkt gebracht. Da capo.
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