TAXI Reeperbahn

Sie werden übersehen, vergessen und die Kommunikation mit ihnen beläuft sich auf ein „Bitte“ und „Danke“ – außer sie nehmen absichtlich die längere Strecke. Die Rede ist von der Zunft der Taxifahrer.

Autor Ulfert Becker hat für sein neues Opus „Taxi Reeperbahn“ die fragmentarischen Aufzeichnungen des Fahrers WOLFGANG „WOLLE“ LAHS ausgedichtet und zu einem Buch zusammengefasst. Wahre Geschichten aus der Welt des Transportwesen
Wolle ist schon seit 1990 in der Taxi-Branche. Dass es da eine Menge zu berichten gibt, ist klar.
Wolle hat wie viele seiner Kollegen seinen Stammplatz.

„Wenn ihr mich sucht – ihr findet mich am besten auf der Reeperbahn. Da, an der Ecke zur Talstraße, ist mein Stammplatz. Die meisten Fahrer haben irgendwo so einen Heimathafen. Zu dem kommt man zurück, wenn eine Tour zu Ende ist und gerade keine weitere ansteht. Hier lauert man auf den nächsten Fahrgast. Und trinkt zwischendurch mal einen Kaffee.
Warum ich ausgerechnet auf der sündigen Meile stehe? Na zum einen, weil ich fast ausschließlich nachts fahre. Schichtbeginn so gegen 20 Uhr, Schichtende zwischen 4 und 6 Uhr morgens. Genau der Zeitraum also, in dem es auf dem Kiez brummt. Finde mal um 3 Uhr morgens einen Fahrgast in der Innenstadt! Auf der Reeperbahn jedoch rennen zu dieser Stunde Tausende herum, die kutschiert werden wollen.“
Von dort aus betrachtet er die Vögel der Nacht: Trickdiebe, Huren, das zugedröhnte Partyvolk. Werden daraus Fahrgäste, kann schon Abgefahrenes passieren.

… das Mädchen da, das gerade ungeniert in die Ecke scheißt. Vor Kurzem noch war sie echt hübsch – aber das hat sich im Zeitraffer erledigt durch Crack oder was auch immer.

Autor Ulfert Becker fühlt sich wunderbar in das Kopfkino von Wolle ein und beschreibt liebevoll das menschliche Chaos, das in dem Taxi Platz nimmt. Vom reichen Maler aus Blankenese, der ein so fürstliches Trinkgeld gibt, dass es die Gier der anderen Anwesenden so steigert, dass sie Wolle mit moralischen Argumenten die Hälfte abkobern wollen bis hin zur Kiezgröße, die zu besoffen ist, um bei einer Schlägerei mit Wolle seinem Ruf gerecht zu werden. Ein Höhepunkt des Buches ist die Mitnahme einer Exhibitionistin, die sich im Eva-Kostüm auf der Rückbank rekelt und die Blicke der Hamburger auf sich zieht.
Allerdings ist die Kiez-Welt nicht nur poetisch, sondern auch gefährlich.

So lernen wir: 

Es gibt ja immer so ein paar Idioten, die meinen, sie könnten sich bei den Großen einschleimen, indem sie unverlangte Drecksarbeiten für sie erledigen. Das sind die eigentlich Gefährlichen… nicht die Großen selbst.

Auch sonst gibt es einiges zu erfahren.

Eine Allianz von Kokain und Wodka verhindert jegliches vernunftbegabtes Denken. So so. Blow-Jobs auf der Rückbank bedeuten das Fahrtende. Wie schade. Und die schlimmsten, ordinärsten und widerlichsten Fahrgäste sind Jugendliche zwischen 17 und 21 Jahren. Aus dem Nobelviertel Pöseldorf. Wen wundert es. Und anders als bei Musiksendern wagen es Fahrgäste nicht, den Deutschlandfunk umzustellen. Bildung siegt.

Reeperbahn-Taxi ist ein flottes Buch, das einen zu dem Gedanken verführt, selber einmal Taxifahrer zu werden. Gebe es nur das lange Warten nicht.

Bestellen kann man die Lektüre bei Amazon unter: https://www.amazon.de/Taxi-Reeperbahn-Suche-nach-irgendwas/dp/1520115482/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1485515573&sr=8-1&keywords=taxi+reeperbahn
oder beim regionalen Buchhändler, der davon lebt.

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