Reeperbahn Festival Rückblick

om-shatt-bandWir wollten es diesmal ganz entspannt angehen lassen.

Gegen 14 Uhr am Mittwoch traf sich die reeperbahn.de-Crew zur Vorbesprechung des Reeperbahn-Festivals. Kaum saßen wir am Spielbudenplatz kam Musikproduzent Alexander Hettler von Motor Entertainment vorbei und begann unablässig am Tisch zu telefonieren. Da war wohl einer schon mitten im Geschehen, während wir noch entspannt alkoholfreies Holsten und die Restsonne genossen. Er gab uns noch zwei Tipps, welche Bands wir unbedingt schauen sollten und schon war er mit Smartphone am Ohr von dannen. Verschluckt. Wir gingen weiter in die Abendplanung.

Noch war wenig los rund um das Festivalgelände, aber das sollte sich rasch ändern. Wenig später wurde der Spielbus eröffnet. Wir lauschten ein wenig den sanften Melodien von Om Shatt, zogen dann aber weiter. anchor-awardAus verschiedenen Clubs hörte man die ersten Soundchecks. Nach einer kurzen redaktionellen Unterbrechung, starteten wir das Festival mit der offiziellen Eröffnung des Anchor Awards, dem neuen Preis für Newcomer im Bereich bester Live-Gig. Vor dem Sankt Pauli Theater trafen wir Charlie Steen von Shame, der am Abend im Molotow auftreten würde. Hatten wir sowieso auf der Liste. Auf der Verantaltung selber, wurde die Jury vorgestellt sowie ein Ausblick auf die nominierten Bands gegeben.

Nächster Stopp war der MOJO Club. Kaum die Treppe runter, wurden wir von einem Klangteppich umwoben, der an King of Leons erinnerte. Doch immer, wenn aus Wippen Tanzen wurde, kamen wieder diese hymnischen Klänge durch und Frontmann Azhar Syed brachte sich stimmlich in Position. Ein Finale mit etwas mehr Beat hätte dem Konzert der Kölner Gruppe Vimes gut getan. So blieb es irgendwie ein „praecox“.

shame-bandNächster Besuch war bei Shame im Molotow. Räudiger Punkrock. Kaum auf der Bühne spuckte Frontmann Charlie das erste Bier in die Menge. KISS-Sänger Gene Simmons hat seinen würdigen Nachfolger. Mit seiner kräftigen, rotzigen Stimme, zog er die Menge mehr und mehr in den Bann. Seine Bandmitglieder sorgten für einen satten Core, der den Club zum Tollhaus machte. Kompliment auch an den Lichtmann, der wusste, wann er das Strobo zu zünden hatte. Das Ergebnis: zwei umgestürzte Mikroständer, eine umgefallene Kamera, viel Bier auf der Linse und ein glückliches Publikum, das gerade warm geworden war. Gerne mehr von den Liverpoolern.

Nächster Club war das kukuun im Klubhaus. Pomrad hieß die belgische Formation. Gedacht so als Zwischendurchkonzert, schließlich sollte es ja gleich im Molotow weiter gehen. Pustekuchen. Was diese Band mit einem anstellt, ist unfassbar. Da werden die Sphärenklänge eines Jean Michelle Jarre zu Prince-Sound, um schließlich einer kurzen Houseparty mit 120 BPM zu enden. Besonderes Gadget war das zweite Mikro, das Sänger in den Mund nahm. Richtig gelesen. In den Mund ! Effekt war, dass die Stimme etwas nach Heliumselbstversuch klang. Mega cool. Eine Besucherin meinte, in den Melodien etwas von Kajagoogo gehört zu haben. Hatten wir nicht. Die dezente Lichtshow im kukuun tat das übrige für ein Konzert, dass die Leute vom Raucherbalkon schnell an die Bühne trieb und viel zu schnell zu Ende war.

sound-of-stpauliDer nächste Tag startete mit einem Panel. Das BID-reeperbahn+ hatte ins Häkken geladen. Vorgestellt wurde die neue CD „The Sound of St. Pauli“ bei der verschiedene Stilrichtungen das Lied „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ intonierten. Der Song wurde jeweils live eingespielt. Natürlich gab es auch an diesem Tag eine Live-Kostprobe. Anschließend wurde eine vom Quartiermanagement durchgeführte Diskussionsrunde gestartet.. Das Oberthema war, wie es denn mit der Musikkultur auf St. Pauli außerhalb des Festivals bestellt ist. Das Fazit: ausbaufähig.

aluheadUns führte der Weg in den Sommersalon, wo der Weissrusse Deech eine fettes DJ-Set hinlegte. Gefühlt war es doch etwas früh für so harte Beats. Am Abend führte uns der Weg in den Bahnhof Pauli. Die Gruppe“barner16″ nahm einen mit auf eine Reise in die Zeit der Beatles. Allerdings klappt es mit dem Time-Shift nicht so richtig und die Performance wurde gewollt immer verwirrender. Der Ort war gut gewählt, weil der Club eine ideale Kulisse für Ankommen und Abfahren bot. Am Eingang erhielt man noch einen Aluhut, damit man vor den Strahlen geschützt ist. Welchen auch immer. Hinterher ging es uns doch noch ganz gut. Nur wussten wir nicht so richtig, was wir da gesehen hatten.

Zeit der Reeperbahn zu verlassen, um sich mal dem Programm im Feldstrassen-Bunker zu widmen. Schließlich spielte dort die alte Wave-Band „Gang of Four“. Sagen wir es einmal so, nicht jeder Käse wird mit dem Alter reifer und besser. Irgendwie wirkten die Musiker unmotiviert und die Songs waren musikalisch auch eher Durchschnittskost. Also schnell Wechsel zu Olga Schepes in den Resonanzraum. Pustekuchen. Einlasstopp. Dieses Wort würden wir in den nächsten noch öfter hören.
Daher führte uns der Weg ins INDRA. Die Mannheimer zeigten sich dort wieder von ihrer besten Seite. Im Garten gab es einen Fotoautomaten, Buffet und Drinnen kochte der Saal. Eine paar mehr Besucher wären toll gewesen. Wir lauschten noch dem letzten Songs von „Inner Tongue“. Etwas zu sanft für die Uhrzeit, aber wunderbar zum Schweben über die Tanzfläche. Im Hof trafen wir Reeperbahn-Dauergast Julia Sattler, die in diesem Jahr das letzte mal „Meet the Mannheimer“ für das Festival organisiert hatte. Neue Aufgaben rufen das Enegiebündel. Der Abend endete schließlich mit Bier im Innenhof des Molotow.

einlasstoppDer nächste Tag sollte mit Pete Doherty starten, doch der Künstler kam nicht im Bahnhof Pauli an. Ein sichtlich zerknirschter Manager erzählte, dass er für den Künstler drei verschieden Flüge gebucht habe, aber Pete sei einfach Pete und versackt. Die Leute nahmen es mit Humor. Nächste Station waren die „The Courettes“, die bereits im letzten Jahr das Pooca rockten. Trotzdem, dass wir eine Viertelstunde vorher da waren, war ein Einlasstopp. Auch als Presse mussten wir uns anstellen. Blöd, aber gerecht. Da viele der Anstehenden sich anderweitig umsahen, verpassten wir nur drei Songs. Drinnen rockte schon der Saal. Brasilianisches Temperament trifft auf Winkinger-Wut. Das Ergebnis: Punk mit Gitarre und Schlagzeug.
Hier das Video vom letzten Reeperbahn-Festival. Als es zusätzlich noch ein Balkonkonzert gab.

 

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