Kinky Boots

Cindy Lauper kennen wir von der Girlie-Hymne „Girls just wanne have fun.“ Nun kommt sie als Komponisten zurück. Und, um es vorwegzunehmen, sie hat einen verdammt guten Job gemacht. „Kinky Boots“ heißt das Musical für das sie Arrangements geschrieben hat. Jetzt hatte es auf der Reeperbahn-Premiere.

Zur Geschichte in der englischen Kleinstadt Nothampton steckt eine Schuhfabrik im Überlebenskampf, als der Patriarch stirbt, muss dessen  Sohn Charlie widerwillig die Führung der Firma übernehmen. Doch das unausweichliche droht – Kündigungen. Wäre da nicht das Schicksal – und das kommt mit voller Power.
Nach einem Scharmützel mit Kleinkriminellen, lernt in London Charlie Lola kennen – eine Drag Queen mit Gefolge. Lola liebt Schuhe und Charlie hat eine Fabrik. Nach einigem Hin-und Her wird Lola der/die Schuhdesigenr(in) in dem kleinen Kaff. Dort begegnet sie den Ressentiments in der Belegschaft. Das gängige Klischee – ein Transvestit ist doch kein Mann – lebt dort noch in der Köpfen. Doch was einen Mann ausmacht, weiß man(n) dort auch nicht.
Durch Lolas Präsenz im Unternehmen verändert sich bei vielen die Wahrnehmung. Selbst Donnie (Benjamin Eberling), ein Mann und Mitarbeiter alter Prägung, lernt auf die harte Tour, was Akzeptanz und Toleranz bedeuten. Doch diese Vorurteile führen Lola auch an ihre Grenzen und in eine Auseinandersetzung mit ihren eigenen Geistern. Doch kurz bevor die wichtige Show in Mailand stattfindet, bei der die produzierten „Kinky Boots“ vorgestellt werden, kommt es zum Zerwürfnis zwischen Charlie und Lola. Der Vorführung droht das Desaster. Aber wir sind ja im Musical.

Und in was für einem. Erwartet man von einem Musical einen langen Abend, ist man hier überrascht und fast traurig, dass er schon vorbei ist. „Kinky Boots“ hat Tempo, Dynamik und tolle unter die Haut gehende Dialoge. Und, es ist so verdammt witzig.
Beherrscht wird die Show von Lola mit ihrem Drag-Hofstaat. Der muskulöse Hauptdarsteller Gino Emnes mit dem zerbrechlichen Selbst, sorgt schon durch seine Präsenz für echte Bühnenaction. Da wird getanzt, gelitten, gestritten und gesungen das die Fetzen fliegen. Im wahrsten Sinne, denn auch die Kostüme werden wie im Rausch gewechselt.

Ist man von anderen Inszenierungen wechselnde opulente Bühnenbilder gewohnt, so spielt sich hier alles hauptsächlich in der Fabrik ab und benötigt man ein anderes Setting, wird es einfallsreich in die Kulisse integriert. So verliert „Kinky Boots“ nie an Tempo. Und genauso ist auch die dezent unterlegte Musik, sie meidet den Pathos und sorgt für einen beständigen Rhythmus. Ganz toll gemacht Cindy.
Eine tolle Rolle hat auch die in den Chef verliebte Mitarbeiterin Lauren (Jeannine Michèle Wacker), die die Emotionalität eines Hormoncocktail in ganzer Bandbreit vorführt – eine Wahnsinnsszene. Auch die Soli „Ein wahrer Mann“ und der großen Seelenstriptease „Trag mich in dein Herz“ sorgen für eine unglaubliche Emotionalität.
Die ganz große Leistung von Kinky Boots ist aber, das die großen Themen: Versagensängste, Lebenslügen und falscher Ehrgeiz, so naheliegend und unaufdringlich serviert werden, dass man sich am liebsten selber schnell noch ändern will.

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