Hubert Fichte

Wer war Hubert Fichte?

Er war Autor zahlreicher Reiseerlebnisse, die ihn mit seiner Lebengefährtin und Fotografin Leonore Mau in die entferntesten Ecken der Welt brachte. Diese verkaufte er an Zeitschriften wie den STERN. Doch seine emotionalen Schilderungen über Länder und Gebräuche brachte er stets als Roman heraus. Fichte wurde 1935 geboren und verbrachte die Kriegsjahre teilweise in Hamburg. Bereits 1950 lernte er Leonore Mau kennen, in dem Jahr in dem er seine Schauspielausbildung begann. Mal war er Schafhirte, dann studierte er wieder Landwirtschaftslehre. Immer unstet. Aber immer Hamburg verbunden.

Hubert&WOLIIn den 60er Jahren war er Stammgast in der „Palette“ einer Kneipe in der ABC-Straße am Gänsemarkt. Dieser Ort der Taglöhner, Gammler und Künstler inspierirte ihn zu dem gleichnamigen Buch. Bald darauf kam es zu einer legendären Leseperfomance, die es so noch nie gegeben hatte.(s.u.)
Obwohl er homsexuell war, trieb er sich auch gerne in den Bordellen St. Paulis herum. Dort entstanden die legendären Interviews u.a. mit „Wolle Indienfahrer“ einem Bodellbesitzer, der den ersten genossenschaftlichen Puff aufgemacht hatte. Aus diesen Besuchen entstand sein Werk: Interviews aus dem Palais d’Amour.

Mit der Reeperbahn ist er wie folgt verbunden

Fichte-StarclubEs ist Sonntag, der 2. Oktober 1966. Im legendären und mit tausend-fünfhundert Zuhörern ausverkauften „Star Club“ an der Großen Freiheit 39 tritt der Hamburger Schriftsteller Hubert Fichte auf. Bis dato hat der Mann erst zwei Bücher publiziert: den Erzählungsband „Aufbruch nach Turku“ und „Das Waisenhaus“. Jetzt liest er aus dem Romanmanuskript „Die Palette“, das erst zwei Jahre später veröffentlicht werden wird.
Angekündigt auf Plakaten in grellstem Purpur unter dem Motto „Beat und Prosa“, stehen Fichtes Auftritte im Wechsel mit den musikalischen Darbietungen der Liverpooler Beat-Band „Ian & the Zodiacs“ und des aus dem belgischen Antwerpen kommenden Blues-Sängers Ferre Grignard. Im Publikum sitzen viele Stammgäste des St. Pauli-Szene-Lokals „Palette“ aus der ABC-Strasse. Sie erkennen sich wieder, haben dieses oder jenes auszusetzen – sind aber größtenteils begeistert. Hubert Fichte beschließt später – da ist der „Star Club“ längst geschlossen -, die Szene mit seiner Lesung in den Roman hineinzunehmen und ihn mit ihr enden zu lassen. Fast vierzig Jahre später wird die Literaturwissenschaft feststellen, dass in der „Beat-und-Prosa“-Show auf St. Pauli der „erste vielbeachtete Versuch“ zu sehen sei, die „Lesungsform nach Ort und Habitus in Richtung Pop“ zu übersetzen.

 

 

Fritz J. Raddatz war ehemaliger Cheflektor im Rowohlt Verlag und hat Fichte damals betreut:

„Er träumte davon, dass er einen großen, irgendeinen spektakulären Auftritt haben möchte, eine Buchpremiere nennt man das heute. Und auch das war für damalige Verhältnisse sehr ungewöhnlich. Das war noch nicht so, der Autor muß immer unentwegt selber im Vordergrund stehen. Und er träumte von dieser Sache mit dem Starclub, auch weil da mal die Beatles angefangen hatten und so weiter. Und dann habe ich quasi Rowohlt, also der Rowohlt-Verlag, nicht ich, den Starclub tatsächlich gemietet, habe ihm die berühmte, überall ja auch auftauchende rote Seidenjacke, von der er auch träumte und die er sich unbedingt wünschte, geschenkt. „(Raddatz)


Auswahl seiner Romane

    Der Aufbruch nach Turku. Erzählungen. Hoffmann & Campe, Hamburg 1963.
    Das Waisenhaus. Roman. Rowohlt, Reinbek 1965.
    Die Palette. Roman. Rowohlt, Reinbek 1968.
    Detlevs Imitationen »Grünspan«. Roman. Rowohlt, Reinbek 1971.
    Interviews aus dem Palais d’Amour. Rowohlt, Reinbek 1972 erweitert dann unter: Wolle Indienfahrer , Fischer, Frankfurt am Main 1978.

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