Hinterm Horizont – das Udo Lindenberg Musical

Alex Melcher, Erstbesetzung 'Udo', in dem Musical HINTERM HORIZONT im Stage Operettenhaus in Hamburg. Premiere ist am 10. November 2016. Photo: Stage Entertainment/Morris Mac Matzen

Udo, Udo. Am Ende sangen und tanzten sogar die Journalisten im Saal. Denn in die Schlussszene mit vielen Udo Lindenberg – Doubles mischte sich der agile Rocker und dankte mit einem Diver dem Cast für seine Lust, jeden Abend das Musical mit seinen Liedern zu spielen.

Auch wenn die Figur des Udo, der ein bisschen wie das Phantom der Oper über allem schwebt, die zentrale Gestalt ist, die eigentliche Geschichte der Show ist eine andere. Ein Mädchen aus Ost-Berlin, die hübsche Jessy, darf den 1983 tatsächlichen statt gefundenen Kurz-Auftritt Udo Lindenbergs im Palast der Republik mit ihrer Tanzgruppe garnieren. Klar pickt sich Udo die „Sahneschnitte“ heraus. Die erste Begegnung mit dem Mega-Star aus dem Westen bleibt nicht unbeobachtet. Der Stasi missfällt die sich anbahnende Nähe der Beiden. Auch das Elternhaus von Jessy zeigt sich wenig begeistert von dem sich ausbreitenden Udo-Kult im Osten. .
Natürlich schafft sie es bei einem Konzert in Moskau ihr Idol wiederzusehen und beide verbringen eine hübsch lässig inszenierte Liebesnacht. Erzählt wird die Geschichte als Rückblende, denn mittlerweile ist Jessy Mutter und steckt in einer ausweglosen Ehe. Durch eine Journalistin, die sich auf die Suche nach diesem einen Mädchen aus Udo Vergangenheit macht, wird die Vergangenheit präsent.

Durch einen Schmachtbrief an Udo, der als Aufnahme mit einer feindlichen Macht gewertet wird, gerät zunächst ihr Bruder und dann sie selbst in die Fänge der Stasi und soll Udo ausspionieren.
Das ist zwar nicht ganz logisch, weil sie ja im Osten lebt, aber es gibt dem Musical nochmal eine bedrohliche Seite. Und einen Faustschlag in den Magen einer Schwangeren, ist da nur ein Stilmittel.
Als dann die Mauer fällt, kommt es zum Wiedersehen der beiden Liebenden – nur herrscht auf Seiten Udos großes Misstrauen gegenüber seiner „Nachtigall“.

gitarren-statt-knarrenDiese Musical-Zeitreise durch das Leben des Udo Lindenberg ist schnell, schräg und setzt geschickt auf historische Bildaufnahmen. Da flimmert über die Leinwände schon mal Hans Joachim Friedrichs in der tagesschau von damals und erzählt von der historischen Nacht in Berlin als die Mauer fiel. Bei den gesungenen Udo-Hits muss man sich erst einmal etwas umgewöhnen, weil mancher Song eben auch von helleren Stimmen intoniert wird. Für Puristen eine Umstellung.
Die Stärken der Inszenierung sind vor allem die reinen Music-Szenen ohne Gesang. Der Gitarren statt Knarren-Battle mit der Staatssicherheit ist voller Dynamik und versinnbildlicht hervorragend das Klima jener Zeit.

Die Schauspielleistung des Ensembles ist insgesamt großartig, alle Stereotypen sind leicht überzeichnet und die Pointen sind treffischer. Natürlich muss man den Udo-Darsteller Alex Melcher hervorheben, der Sprache und Gestik des Ausnahmekünstlers perfekt imitiert und ihm eine freundliche, leicht überdrehte Note gibt. Neben dem Original-Udo im Finale nicht zu unterscheiden.

Doch was das jetzt genau das Finale war, bleibt etwas vage. Das Casting der Udo-Doubles im Hotel Atlantic ist klasse. Doch dann kommt es zum Versuch, noch ein Hitmedley logisch zu integrieren, das mit in einen Besuch der Reeperbahn (wohl eine spezielle Hamburg Hommage) mit original Muiscvideoeinspielungen endet. Hier verliert sich das ganze in eine Länge, die nicht Not tut. Ach, und wenn das Olivia Jones-Double am Ende statt einem Schild eine Klobürste halten würde, wäre das die feinere Klinge.

Dennoch das Musical fetzt und für Udo-Fans eine schöne Zeitreise.

Fotos: Udo (Alex Melcher) Atlantic

Ein Kommentar für “Hinterm Horizont – das Udo Lindenberg Musical”

  1. Detlef Fussinger

    Ich sehe das genauso !

    Tolle Szenen, tolle stimmen, tolle Musik, tolle Bühne, aber das Finale ist künstlich gestreckt und macht alles vorher gesehen und erlebte irgendwie nachträglich hinfällig !

    Antworten

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