Große Freiheit 10-14 Hippodrom, Jungmühle, Bikini

Männer vergnügen sich in einer Bar, indem sie versuchen, eine Frau von der Bühne zu angeln - oder zumindest deren leichte Bekleidung.Berauscht von seinen nächtlichen Erlebnissen im Kabarett Jungmühle, dem Hippodrom und der Bikini-Bar in der Großen Freiheit 10-14, notierte John I.B McCulloch aus den USA Mitte der 1950er-Jahre in seinem Reisemanuskript: „Von allen Weltstädten ist Hamburg wahrscheinlich die einzige, in der der Besucher die Wahl hat, an irgendeinem Abend in der Woche Pferd, Kamel oder Maulesel zu reiten. Er braucht nur ein paar Treppenstufen an der Straße hinuntersteigen. Im selben Lokal gibt es eine Filmvorführung, in der völlig unbekleidete Frauen zu sehen sind und einen Ringkampf, in dem zwei bis zu den Hüften unbekleidete Amazonen drei Runden im weichen, schwammigen Schlamm rangeln.“

Personen mit Kamel im HippodromDiese Sensation war eine Idee des Besitzers Willi Bartels, später der „König von St. Pauli“. Er hatte die Jungmühle und das darunter liegende Hippodrom 1945 von seinem Vater übernommen und das Programm ausgebaut.

1953 eröffnete der erfolgreiche Geschäftsmann (mittlerweile gehörten ihm auf St. Pauli rund 15 Bars und dutzende Immobilien) in der Nr. 14 die Bikini-Bar. Hier wie in der Jungmühle gab es die beliebte „Wäscheschau“, an deren Ende „Fräulein Schweden nichts anhat als einen Sonnenschirm.“

Im Hippodrom eine Treppe tiefer „galoppiert ein junges Mädchen in einer Manege im Seidendress auf einem weißen Pferd daher, während ein Drei-Mann-Orchester spielt. In der Mitte des Ringes stehen vier weitere Ponys, zwei Kamele liegen auf dem Boden, in der Ecke gähnt ein Maulesel“. 50 Pfennig kostete ein Ritt auf dem Esel „Knorke“ – wer zwei Runden schaffte, bekam eine Flasche Champagner.

1969 beendeten neue Tierschutzbestimmungen das Vergnügen. Dazu war St. Pauli durch Zuhälterbanden und Touristennepp in Verruf geraten und die Gäste blieben fern. HippodromJungmühle und Bikini schlossen zu Beginn der 1970er Jahre.


Quellen, Literatur, Onlineressourcen:

Manuskript von John I.B McCulloch. O.O, o. D. (Archiv Günter Zint/ Panfoto)
Ariane Barth: Die Reeperbahn. Der Kampf um die sündige Meile Hamburgs. Hamburg, 1999. S. 92f.
Isemarie Pfeiffer: Wilhelm Bartels – Ein Leben für St. Pauli. Festschrift. Hamburg, 1994.
Udo Pini: Zu Gast im alten Hamburg.
St. Pauli. Alles wurde teurer. In: Der Spiegel, 6. Aug. 1958, S. 29f.
Rückkehr der Legenden. Hamburger Abendblatt (Ausschnitt, o.D),(Archiv Günter Zint/ Panfoto)
http://st.pauli-news.de/tageslicht/hippodrom-pferde-bier-und-braeute. Zugriff am 20.5.2016

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