Elisabeth Wiese -Kindsmörderin

Eine wirklich böse und gierige Frau wohnte einst auf Sankt Pauli in der Wilhelminenstrasse 23, der heutigen Hein-Hoyer-Strasse. Ihr Name: Elisabeth Wiese (Jhg. 1853). Mit ihrem Mann und ihrer Tochter Paula zog sie von Hannover, wo sie als „Engelmacherin“ arbeitete, 1896 ins Viertel. Die Ehe lief nicht gut, ständig hört man Streit in der Wohnung. Ihr Mann, ein Trinker, bezichtigte sie sogar, dass sie ihn mehrfach habe vergiften wollen und er nur knapp dem Tod entronnen sei.

Auch schickte sie ihre Tochter Paula zum Anschaffen. Mit einem Inserat in mehreren Tagszeitungen „Junge Dame bittet einen edeldenkenden Herrn um eine Unterstützung von 30 Mark gegen dankbare Rückzahlung.“ lockte sie die Freier an.

Doch Paula wollte den kalten Befehl ihrer Mutter auch unter Prügel nicht mehr befolgen und floh nach London, wo sie als Dienstmädchen arbeitete. Da nun die Einnahmeseite der Familie ausgesprochen schlecht wurde, entwickelte Elisabeth Wiese ein Geschäftsmodell, das komplett zynisch und menschenverachtend war.
Das Prinzip war dieses, oft konnten junge Mütter ihre Kinder nicht ernähren, also gaben sie sie in die Obhut anderer Familien und zahlten dafür an diese ein „Kostgeld“. Diese Vermittlung machte Frau Wiese gegen eine Gebühr von 100 bis 300 Mark und ein monatliches Kostgeld von 20 bis 30 Mark.
Frau Wiese gab den Müttern an, die Kinder an reiche Familien im Ausland zu vermitteln. Doch angekommen sind sie dort nie oder sie wurden wegen dem ausbeleibenden Kostgeld an sie zurückgeschickt.

Die „Hexe“ brachte die ihr anvertrauten Kinder dann um, und verbrannte sie, laut Urteilschrift, in ihrem hauseigenen Ofen oder schmiss die Kinderleichen nachts einfach in die Elbe. Das Kostgeld blieb natürlich immer bei ihr.

Erst als eine junge Mutter, deren wirtschaftliche Situation sich verbessert hat, ihren Sohn Wilhelm zurückhaben wollte, brach das System Wiese zusammen. Die Polizei übernahm nun den Fall der verschwundenen Kinder und kam in den Ermittlungen auf vier „Vermissste“.
Wie „entmenschtlicht“ Frau Wiese war, zeigte sich in einem fünften Mord. 1902 kam ihre Tochter Paula hochschwanger aus England zurück. Da ein weiterer Esser am Tisch nicht zu verkraften war, ersäufte Frau Wiese das Baby in einem Wassereimer vor den Augen der Tochter und entsorgete es.

Trotz fehlender Beweise wurde 1904 Frau Wiese, gestützt durch die belastenden Aussagen ihres Mannes und der Tochter, zum Tod durch das Fallbeil verurteilt. Viele wütende Mütter boten an, dem Scharfrichter Alwin Engelhardt bei der Exekution zu helfen.

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