Eve Champagne Interview

„Ich hab‘ dem Bassisten seinen Bass abgeleckt…“

Eve Champagne, Burlesque-Performerin mit charmantem Trashfaktor erzählt ohne Tabus aus ihrem Dasein. Hier seht ihr einen großen Ausschnitt der Fragen, die wir ihr gestellt haben.


Queen of Burlesque Eve ChampagneREVEREND ROOSEN: Wie bist du in den Tag gekommen. Was hast Du heute gefrühstückt?

EVE: Ich hatte einen schrecklichen Traum. Ich wurde von ein paar Milieuleuten und meiner Ex-Chefin verfolgt und habe mit Schusswunden versehen keinen Krankenwagen abbekommen. Daher begann der Morgen schon zerstörerisch. Bin dann aufgestanden, habe Kaffee getrunken und hatte so gar keinen Hunger mehr. Halt, es gab noch einen Actimel Erdbeere dazwischen.

 

REVEREND ROOSEN: In den jungen Jahren, wie war das so? Wo bist du gereift und aufgewachsen? 

EVE: Aufgewachsen bin ich in der Hansestadt Bremen, eine supersüße Stadt. Allerdings zu klein für einen Paradiesvogel wie mich. Ich war als Kind unglaublich hässlich und als Teenager noch viel hässlicher. Kein Arsch, keine Titten, Zahnspange, war riesengroß, hatte blonde kurze Haare und ’ne Brille und man fragte mich, ob ich ein Mädchen oder Junge bin. So war ich natürlich das Mobbing-Opfer Nummero eins. Irgendwann wollte ich allen zeigen, dass ich doch sexy bin und das hab ich definitiv geschafft, … ihr Wichser.

 

REVEREND ROOSEN: Wann hast du dich zum ersten Mal verliebt?

EVE: Mit Zunge oder ohne?

 

REVEREND ROOSEN: Mit Zunge natürlich.

EVE: Also ich bin ja halbe Polin und wurde von meinen Eltern immer ins Ferienlager in Polen gesteckt. Ich war so etwa 15 Jahre und der Typ hieß Sylvester. Wie das eben so ist, abends gab es in der Pension Disco und beim Schwofen habe ich dann das erste Mal einen Jungen geküsst. Aber im Ferienlager war eh ständig Partnertausch. So was hielt zwei Tage und dann war der nächste dran. Aber richtig verliebt war ich erst mit 16. Ich war wieder in Polen und da war er dann….Dominique, der mich sozusagen entjungferte – ohne dass wir Sex hatten. Verdammt lange Finger kann ich nur sagen.

 

REVEREND ROOSEN: Wann warst Du das erste Mal auf der Reeperbahn?

EVE: Als Teenager lernte ich die Reeperbahn durch die Junggesellenabschiede in der Clique meines zehn Jahre älteren Bruders kennen. Zu den Stationen gehörten dann das Dollhouse und all das, was man im Fernsehen so sieht. Die Affinität zur Erotik zeigte sich schon damals, ich war mittlerweile hübscher und in Latexklamotten und mit Peitsche durfte ich gegen 1 EUR Gebühr, die auspeitschen, die die Junggesellin erwählt hatte.

 

REVEREND ROOSEN: Was war dein sündigstes Kiezerlebnis?

EVE: Es gibt nichts, was ich nicht jeden Tag machen würde. Aber es gab was Peinliches. Ich war super auf Lady gestyled in meinen Burlesqueklamotten völlig betrunken unterwegs und kotzte vor den Bordsteinschwalben in den Mülleimer. Die haben sich tot gelacht. Und ich sag es euch, im Korsett zu kotzen ist echt unangenehm.

 

REVEREND ROOSEN: Der Kiez verändert sich, neue Gebäude, viel Glas. Wie siehst Du die Veränderungen auf dem Kiez, die Zukunft der Meile?

EVE: Die Veränderung auf dem Kiez ist definitiv ein Fortschritt und eine Sache des Blickwinkels. Als ihr damals hierher kamt, war das cool und als ich jetzt kam, waren eben andere Sachen cool. Wenn man sich mit den Wirtschaftern oder den befreundeten Nutten unterhält, erzählen die ihre Sicht der Entwicklung. Aber so oder so, es gibt immer noch Perlen, die man findet. Entwicklung ist per se nicht schlecht, man muss nur wissen, sie sich zueigen zu machen.

 

REVEREND ROOSEN: Du bist eine Burlesque-Tänzerin.

EVE: Korrektur. Performerin. Ich kann nicht tanzen, ich bin nur ’ne gute Schauspielerin.

 

REVEREND ROOSEN: Hast du einen Trainer oder nur deinen Wohnzimmerspiegel?

EVE: Also mein Trainer heißt EGO und Selbsteinschätzung und als Polin hat man sowieso einen angeborenen Größenwahn. Also, ich hab keinen Trainer, ich trainiere vor dem Spiegel. Das Training ist, was ich erlebe und der Austausch mit anderen.

 

REVEREND ROOSEN: Wie viele Shows hast du mittlerweile gemacht? Geschätzt.

EVE: In den sechs Jahren… (denkt) Professionelle Burlesque Shows… 200 bis 250. Nicht eingerechnet die Sachen, die ich im Badezimmer performe, auf Weihnachtsfeiern oder eben lattenstramm.

 

REVEREND ROOSEN: Wie hälst du dich fit?

EVE: Mit Kampftrinken, Pöbeln und Highheel-Distanz-Lauf. Ansonsten mache ich viel Tracking.

 

REVEREND ROOSEN: Wie viele Rollen hast du auf Lager?

EVE: Ich hab keine Rollen, sondern Charakterzüge. Ich lebe eine Seite an mir aus, die schon da ist, auch wenn ich die Klamotten wechsel.

 

REVEREND ROOSEN: Dein Vater war Matrose?

EVE: Richtig, mein Dad war früher Matrose. Meine Mutter schimpfte, dass ich alles Schlechte, speziell den Charakter, von ihm habe, aber das Aussehen habe ich von ihr geerbt. Gott sei es gedankt.

 

REVEREND ROOSEN: Was sagt dein polnischer Familienteil denn zu deiner Berufswahl?

EVE: Also Dad, alter Seeman, ist stolz wie Oskar, sagt, das sind meine Gene. Meine Mutter, die nicht mal ungeschminkt den Müll rausbringt, meint „Ist ja toll, was du machst, so lange du noch jung und knackig bist, aber fang doch mal was Vernünftiges an.“ Und Mama zu liebe habe ich auch eine Ausbildung angefangen.

 

REVEREND ROOSEN: Du machst deine Ausbildung im legendären EAST-Hotel. Was lernst du denn dort?

EVE: Ich lerne Hotelfachfrau. Das ist was total Solides, dachte auch meine Mutter. Aber Hotel und Gastronomie ist genauso wie das Showbusiness. Alkohol, Feiern, hart Arbeiten und unbezahlte Schichten. Ich hab mich also nicht viel weiter entwickelt.

 

REVEREND ROOSEN: Welche Klamotten bevorzugst du?

EVE: Also mein Lieblingslabel ist Redcat7 aus Berlin. Aber mit der Zeit entwickelst du ein Auge, was showtauglich ist und kannst auch in einen Shop oder zum Flohmarkt gehen. Ich finde immer was.

 

REVEREND ROOSEN: Was machst du eigentlich so alles? Tanzen, moderieren, Kiez-Touren. Was machst du denn noch?

EVE: Ich unterhalte permanent Leute – auch in meiner Privatzeit. So halte ich mich fit.

 

REVEREND ROOSEN: Du bist also immer am Labern.

EVE: Ja, ich tu das manchmal auch nur, um Geräusche von mir zu geben. „The world is a stage“ … und ich koste das immer völlig aus.

 

REVEREND ROOSEN: Kommt bald ’ne Platte?

EVE: He, überlegt mal, warum ich Tänzerin geworden bin. Aber Anfragen gab es. Ich versuche es auch immer wieder beim Karaoke in der Thai-Oase und werde dort bestätigt, dass ich besser Tänzerin bleibe. Mein Lieblingssong zu dem ich heiraten und mich beerdigen lassen will ist übrigens „I don’t want to miss a thing“ von Aerosmith.

 

REVEREND ROOSEN: Ist Dita von Teese ein Vorbild?

EVE: Definitiv ist sie ein Vorbild. Aber nicht für mich. Ich bin nicht so diszipliniert und konsequent wie diese Frau. Außerdem bin ich über 1.80 und sie unter 1.60. Während sie in ein Champagnerglas passt, müsste ich in einen riesigen Bierhumpen gesteckt werden.
Dita ist sehr ladylike. Mein absoluter Respekt. Ist aber nichts für mich und das ist das schöne an Burlesque, es gibt viele Formen und ich gehöre zu einer anderen als sie.

 

REVEREND ROOSEN: Du wolltest bei „Wer wird Millionär – Promi“ doch blank ziehen, damit die anderen Kandidaten nicht die Qualifikationsfrage schaffen. Woran ist das gescheitert? 

EVE: Es gab eine Nonne im Publikum und ich bin doch katholisch erzogen. Zum Selberspielen kam ich nicht, weil ich nicht mal „Alle meine Entchen“ in die richtige Reihenfolge bringen kann.

 

REVEREND ROOSEN: Hat dir der Auftritt gestiegene Publicity beschert?

EVE: Also es hat etwas gebracht, ich habe noch zu der Nonne Kontakt, was mein direkter Draht zum Oberboss ist. Vielleicht kann ich dadurch Luzifer entkommen.

 

REVEREND ROOSEN: Wie viele Facebook-Freunde hast du denn mittlerweile? Wie viel Zeit verbringst du mit Facebook in der Woche?

EVE: Ich liege gerade bei 3.500 Freunden. Facebook lässt ja nur 5.000 Freunde zu. Habe aber eine Likeseite. In der Woche verbringe ich rund 16 Stunden mit Facebook, dann chatte ich meist mit meinen Freunden.

 

REVEREND ROOSEN: Neulich hast du ja bei Monster Magnet auf der Bühne gerockt. War das dein bestes Bühnenerlebnis oder wird das getoppt?

EVE: Mir läuft immer noch die Freude die Schenkel runter. Ich hatte auf dem St. Pauli Weihnachtsmarkt gearbeitet und dort traf ich eine Bekannte, die ist ein Groupie, das mit jeder Band, die nach Hamburg kommt, f…. Ich war gerade beim Glühwein als sie mit Monster Magnet herein kam. Ich wurde vorgestellt und die Jungs fragten, ob ich zum Finale gegen 22.30 mit ihnen auf der Bühne zu dem Song „Space Lord“ rocken würde.
Mein Freund meinte: „Das packst du nicht. Madame Burlesque, die Glitter-Queen, wird das verkacken.“ Seltsam, dabei bin ich der Rock Star of Burlesque.
Dann kam der Auftritt und ich hatte einen totalen Blackout. Weiß nur noch kurze Szenen. Als ich von der Bühne runterkam, hatte ich ein aufgeschlagenes Knie, Blutergüsse in den Kniekehlen und war mit Bier übergossen. Nach dem Auftritt vergnügte ich mich mit Jack Daniels, als mein Freund sich auf die Knie warf und meinte: „Du bist mein Girl.“ In meinem Ausbildungsbetrieb hat das niemand geglaubt, obwohl ich die Hosen zum Beweis in der Küche runterließ. Der Chef hat dann aber ein Video gefunden, was die Story bestätigte.
Als ich das sah, dachte ich nur: Oh weh. Ich hab dem Bassisten seinen Bass abgeleckt und den Drummer fast erschlagen.

 

REVEREND ROOSEN: Zur Zeit hängst du mit Olivia Jones rum. Was macht ihr so?

EVE: Olivia Jones ist mittlerweile meine Chefin. Ich habe einen Vertrag unterzeichnet und damit haben sie (Olivia und ihr kleiner Assistent Sven) sich den ersten Kerl in die Truppe geholt. (lacht) Wir eröffnen am 15. Februar den Olivia Jones Show Club im Innenhof vom Gretel und Alfons, Große Freiheit. Ich bin die Gastgeberin. Es wird ein Club mit Spaß, Lust und was zu Lachen.

 

REVEREND ROOSEN: Kannst du auf Befehl rülpsen?

EVE: Ja. (beweist es)

 

REVEREND ROOSEN: Was würdest du niemals tun?

EVE: (langes Schweigen) Sex mit Tieren – vielleicht. Hm nee, ich würde nie jemanden aus purer demütigender Lust verarschen – ohne einen ironischen Unterton reinzulegen. Einfach so macht das keinen Spaß, die Person muss ja wissen, warum ich sie bepöble.

 

REVEREND ROOSEN: Was würdest du tun, wagst es aber nicht?

EVE: Mich zu tätowieren. Ich würde einfach nicht damit aufhören und daher lasse ich es. Meine Haut bleibt das einzig Jungfräuliche an mir.

 

REVEREND ROOSEN: Willst du dem Reverend was beichten?

EVE: Ich hatte schon was mit Frauen, ok langweilig. Ich kacke auch braun. Mensch Reverend, ich bin katholisch, es gibt wohl nichts, was dir fremd ist und zu beichten lohnt.

 

REVEREND ROOSEN: Was wünscht du dir?

EVE: Ich wünsche mir, dass ich zufrieden bin. Mit allem im Reinen, egal was ich mache.

 

REVEREND ROOSEN: Die Burlesque-Kollegin Tronicat la Miez ist Mutti geworden – hast du auch schon Babyträume?

EVE: Tronicat ist mein absoluter Favorit und sie hat ihr Baby auf meiner Couch gezeugt. Es ist das einzige Kind, das mich nicht fürchtet. Aber zu der Frage, ich habe Babyträume. Meine Gene sind so perfekt, die müssen unbedingt weiter gegeben werden.


Wir danken dir.

 

A La Charm

 

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